Vorstand Panhauser zur Umsetzung von IDD, DSGVO und Standesregeln (NL 30b/20)

Im ersten Teil erfuhren wir von Vorstand Werner Panhauser, was Helvetia getan hat, um Kunden und Vermittlern zu helfen, die schwierige Zeit und deren Folgen zu meistern. Auch erfuhren wir, welche Weiterbildungsmaßnahmen Helvetia heuer noch anbietet, um dem Vermittler zu helfen, die Weiterbildungspflicht einzuhalten. Wer also noch Stunden für die Weiterbildung braucht, sollte hier nachlesen…
Im zweiten Teil erfuhren wir Details zu Produktneuheiten, Cyberbedrohungen, News zur Lebensversicherung und Markt- und Vertriebschancen für Agenten. Zum Nachlesen hier klicken…

Werner Panhauser, Vorstand Helvetia, Foto beigestellt

Im 3. und letzten Teil sprechen wir mit Vorstand Panhauser über die tägliche Umsetzung der IDD, DSGVO und Standesregeln und welche Probleme es da womöglich gibt.

> Wie wird die zielmarktkonforme Vermittlung überwacht?
> Werden Beratungsprotokolle standardmäßig oder nur anlassbezogen kontrolliert?
> Warum sind Agenten Datenverantwortliche und keinesfalls weisungsgebundene Auftragsverarbeiter?
> Wie sieht Werner Panhauser den starken Trend zur Digitalisierung und den Kampf Mensch-Maschine?
> Und hat Helvetia ein Nachwuchs-, Nachfolge-Problem?

Hier folgt nun Teil 3 des Interviews mit Werner Panhauser, Helvetia Vorstand:

IVVA: Kommen wir nun zu den juristischen Themen, deren praktische Anwendung die Agenten brennend interessiert. Wie geht es Ihnen mit der täglichen Umsetzung der IDD? Gab es hier irgendwelche Probleme, Unklarheiten?

VST Panhauser: Die Umsetzung der IDD ist in einen normalen und alltäglichen Arbeitsprozess übergegangen. Viele der scheinbar neuen Anforderungen seit Einführung der IDD waren für Helvetia keine neuen. Uns ist es schnell und effizient gelungen unsere Arbeitsweise und die damit einhergehenden Abläufe, wo notwendig, anzupassen.

IVVA: Ein zentraler Punkt bei der IDD ist: Wie kommunizieren Sie den Zielmarkt?

VST Panhauser: Informationen zu den Zielmärkten finden sich in unseren Produktsteckbriefen, welche in unseren Onlineportalen (Exklusiv- und Partnerweb) tagesaktuell zum Download bereitstehen. Zusätzlich informieren wir bei Änderungen über unsere Newsletter.

IVVA: Wie und wie oft prüfen Sie, ob der Agent den vorgegebenen Zielmarkt eingehalten hat?

VST Panhauser: Die Sicherstellung, dass Versicherungsprodukte an den festgelegten Zielmarkt vertrieben werden, erfolgt durch laufende und punktuelle Kontrollen der Beratungsprotokolle. Zusätzlich gibt es im Bereich Leben eine Plausibilisierung im Antragsprozess ob das entsprechende Produkt für den Kunden passend ist. Der Prozess ist elektronisch geführt und lässt keine „unpassenden“ Produkte zu. Nachdem der Kunde bei uns ein Lebens-Produkt beantragt hat, wird jeder Antrag in der Risikoprüfung individuell geprüft (finanzielle Verhältnisse, Gesundheitsprüfung, Zielmarktkonformität, Risikobereitschaft). Bei Auffälligkeiten wird rückgefragt, bei wiederholten Auffälligkeiten wird die Qualität des Vermittlers hinterfragt und es startet unser definierter „Eskalations“prozess.

IVVA: Zusatzfrage zur Kontrolle: Verlangen Sie nur bei Verdacht, Anlassbezogen das Beratungsprotokoll oder öfter? Hintergrund der Frage: Manche Versicherer verlangen die Vorlage bzw. das Einspielen ALLER Beratungsprotokolle ins Portal, obwohl die FMA diese Sicht – auf IVVA Anfrage – nicht versteht („Keine Vorgabe von uns“). Wie handhaben Sie dieses Thema, das bei den Vermittlern für große Unruhe sorgt?

VST Panhauser: Hier gehen wir unterschiedlich vor, je nach Art der Gewerbeberechtigung des Vermittlers. Unsere umfassendsten Kontrollmaßnahmen treffen den angestellten Außendienst. Hier verfolgen wir das Prinzip: „Einspielung aller Beratungsprotokolle ins Portal.“ Bei selbstständigen Vermittlern verfolgen wir einen Anlassbezogenen Ansatz und Erfüllen auf diese Art unsere passiven Monitoring-Pflichten.

IVVA: Was könnten solche Kontroll-Anlässe sein?

VST Panhauser: Anlässe können sich aus der Antragsprüfung, auf Grund von Kundenbeschwerden in unserem Helvetia Service Center oder bei Auffälligkeiten im Rahmen von periodischen Qualitätsgesprächen mit Vermittlern ergeben.

IVVA: Prüfen Sie auch die Einhaltung der Formvorschriften laut Standesregeln (Offenlegung Identität, GISA-Eintrag, usw.) sowie die Dokumentationspflichten? Wünsche- und Bedürfnistest? Etc.

VST Panhauser: Hier gehen wir gleichermaßen vor, wie oben beim Umgang mit den Beratungsprotokollen beschrieben. Also durchgehende Prüfung im angestellten Außendienst, passives Monitoring bei selbstständigen Vermittlern. Jedoch monitoren wir das Vorhandensein einer entsprechenden Gewerbeberechtigung, also den GISA-Eintrag bei selbstständigen Vermittlern laufend, hierfür benötigt es folglich keinen speziellen Anlass.

IVVA: Kommen wir  zum nächsten Rechts-Dauerbrenner, die DSGVO: Wie geht es Ihnen mit der täglichen Umsetzung für die Datenschutz-Grundverordnung?

VST Panhauser: Die DSGVO ist bei uns gut umgesetzt und selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeit. Alle Mitarbeiter sind sensibilisiert und achten wir sehr auf stetige Weiterbildung und Weiterentwicklung.

IVVA: Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie Corona-bedingt auch im Datenschutzbereich vor neuen Herausforderungen gestanden sind?

VST Panhauser: Gerade die Anforderungen der letzten Monate haben wieder gezeigt, wie wichtig es ist, rasch und vor allem richtig auf geänderte Verhältnisse wie verstärktes Homeoffice und neue Kommunikationswege (etwa Videokonferenztools) zu reagieren. Auch in diesen herausfordernden Zeiten ist es unser Ziel, zwar flexibel aber absolut datenschutzkonform zu agieren, sodass allfälligen Prozessadaptierungen von unseren Datenschutz- und Informationssicherheitsspezialisten begleitet und geprüft werden.

IVVA: Gab es in den letzten Monaten irgendwelche Probleme, Unklarheiten? Möchten Sie etwas unseren Agenten mitteilen, was man besser machen könnte?

VST Panhauser: Selbstverständlich ist uns die ordnungsgemäße Zusammenarbeit mit unseren Partnern genauso wichtig wie die In-House Verarbeitung, sodass wir bei Auffälligkeiten durchaus reagieren und das Gespräch suchen. Aber unserer Erfahrung nach sind auch unsere selbständigen Vermittler sehr sensibilisiert im korrekten Umgang mit Personendaten. Falls notwendig stehen wir aber gerne weiterhin mit Rat und Tat helfend zur Seite.

IVVA: Sie stufen die Agenten in Ihrem Agenturvertrag richtigerweise als Datenverantwortliche nach der DSGVO (mit Übergang der Daten dann gemeinsame Datenverantwortlichkeit). Wie kamen Sie zu dieser Ansicht?

VST Panhauser: Die Beurteilung richtet sich nach der Intention der DSGVO (die Begriffsbestimmung zum Verantwortlichen findet sich im Art. 4 DSGVO). Die Verantwortung wird demnach demjenigen übertragen, der die Entscheidungsmacht hat und über die wesentlichen Aspekte der Mittel der Verarbeitung entscheidet.

Der Agent ist selbständiger Vermittler und verarbeitet im Rahmen seines Gewerbes auch in seinem Eigeninteresse Daten für seine eigenen Zwecke in den eigenen Systemen. Da er über Zwecke und Mittel der Verarbeitung in diesem Bereich selbst entscheidet, ist er zu allererst auch datenschutzrechtlich Verantwortlicher.

Erst dann wenn die Daten nicht mehr nur für seine Zwecke, sondern für die Zwecke der Versicherung verarbeitet werden und auch die Versicherung über das entsprechende Verarbeitungsmittel (System) entscheidet, kommt es zu einem Verantwortungsübergang und zu einer Doppelrolle des Agenten und der gemeinsamen Datenverantwortlichkeit von Agent und Versicherung.

IVVA: Ein neues Thema oder auch nicht: Nämlich die Digitalisierung, die in vielen unserer obigen Fragen auch schon mitgeschwungen ist. Die EU hat heuer mehrere Konsultationen zur Digitalisierung abgewickelt. Ziel ist es offensichtlich, das „Marktpotential“ für FinTechs und InsureTechs zu erhöhen. Manche reden schon davon, dass Daten das Gold des 21. Jahrhunderts sind. Wie sinnvoll kann es sein, Algorithmen im Verborgenen etwa über die Vergabe von Krediten oder die richtige Versicherung entscheiden zu lassen?

VST Panhauser: So wie unsere Autos heute ABS und Spurhalte-Assistenten haben, so ist die Datenerfassung, Auswertung und Nutzung ein täglicher Begleiter unseres Lebens geworden. Wenn wir damit noch größeren Kundennutzen, weniger leere Kilometer, dadurch weniger CO 2 erzielen können, dann halte ich viel davon. In der Produktvorauswahl, siehe Zielmärkte, machen solche Logarithmen Sinn. Der perfekte Nutzen entsteht dann aus dem persönlichen oder virtuellen Beratungsdialog.

IVVA: Und wie sehen Sie die Chancen, dass menschliche Berater / Vermittler im Kampf gegen die Computer nicht unter die Räder kommen?

VST Panhauser: Der automatisierten Beratung gebe ich in den nächsten Jahren eine Chance auf einen  5 % Anteil. So wie in der vorigen Frage muss man sich den Computer zunutze machen, um bestmöglich zu vergleichen oder das treffsicherste Angebot zu finden oder über Social media seine Kundenkontakte treffsicher auf eine höhere Frequenz zu bringen.

IVVA: Kommen wir zum Themenbereich Nachwuchs / Nachfolge?

Seit Jahren ein wachsendes Problem unserer Branche. Sie hatten in den letzten Jahren diesbezüglich keine Probleme. Wie ging es Ihnen diesbezüglich in den letzten Monaten?

VST Panhauser: Wir haben aufgrund des guten Zulaufes und der Tatsache, dass wir in den letzten 3 Jahren 60 neue Partner gewinnen konnten, keine Nachfolgeprobleme. Oft finden die bestehenden Partner ihre Nachfolger und wir helfen logistisch, finanziell und bei der Einschulung.

IVVA: Wie groß sehen Sie die Gefahr von unbetreuten Kunden in der Zukunft?

VST Panhauser: Das Problem haben wir derzeit im Griff. Wir haben nur 1,34 % unbetreute Kunden in ganz Österreich und täglich werden es weniger.

IVVA: Was könnte, sollte man tun, um die Folgen der Überalterung des Berufsstandes und des möglichen Imageproblems und damit Nachfolger-Problem zu bekämpfen?

VST Panhauser: Es muss einfach bekannter werden, wie großartig unser Beruf ist. Abwechslungsreich, krisensicher, großartige WorkLife Balance, und das bei außergewöhnlichen Verdienstmöglichkeiten, das müssen die Talente von morgen noch viel besser erfahren.

IVVA: Möchten Sie unseren Lesern mitteilen, wo Sie Ihre Vorteile sehen? Warum soll ein Agent – neu – mit Ihrem Haus zusammen arbeiten?  Wo unterscheiden Sie sich von anderen Versicherungshäusern?

VST Panhauser: Warum soll man mit uns zusammenarbeiten? Unsere Strategie ist “ Bester Partner für erfolgreiche Vermittler zu sein „. Wir sind nicht riesengroß, aber groß genug, um außer Krankenversicherung, alles anzubieten. Helvetia ist familiär, dezentral aufgestellt und unsere Führungskräfte vor Ort haben höchste Entscheidungskompetenzen. Nebenbei bieten wir attraktive Provisionen und Vergütungsmodelle. Es gibt also viele Gründe, um mit uns Kontakt aufzunehmen und ein Gespräch zu suchen.

Ach ja, die Krankenversicherung bieten wir über unsere großen Kooperationspartner an, somit gilt doch wieder, alles aus 1 Hand.

IVVA: Ergänzen möchte ich noch, dass Helvetia schon seit vielen Jahren einen vorbildlichen Agenturvertrag anbietet. Diesen können Interessierte auf der IVVA-Homepage nachlesen. Dort finden Sie fast 50 Agenturverträge mit Kommentaren versehen. Klicken Sie dazu hier…
Frage: Suchen Sie noch weitere Agenten? Wohin sollen sich Interessierte melden, um abzuklären, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte?

VST Panhauser: Ein klares JA dazu. Ich bin überzeugt davon, dass wir im Vergleich zum Markt ein besseres Package bieten. Daher sollte man zumindest mit uns sprechen, bevor man sich beruflich verändert, bzw. wenn man sich beruflich verändern möchte. Ganz einfach einen unserer Agentur Verkaufsleiter kontaktieren (Die Ansprechpartner in den Bundesländern finden Sie hier…).www.helvetia.at

IVVA: Zum Schluss: Warum unterstützen Sie den IVVA?

VST Panhauser: Die Stärke des IVVA ist, dass er ein Sprachrohr für die Agenten ist. Er kann Gutes aufzeigen, differenzieren und aber auch mahnen und warnen.

Jeder Berufsstand braucht neben der Interessensvertretung auch einen Promotor, genauso verstehe ich den IVVA! Alles Gute für euch!

IVVA: Ich bedanke mich für das positive Feedback und freue mich auf unser nächstes Gespräch in der hoffentlich Nach-Corona-Zeit!