Vorstand Panhauser über Marktchancen für Agenten und Produkt-News (NL 29b/20)

Vorige Woche erfuhren wir von Vorstand Werner Panhauser, wie gut die Helvetia durch die Corona-bedingte Krise gekommen ist und was alles getan wurde, um das Service trotz Lockdown aufrecht zu erhalten. Und welche Aktionen gesetzt wurden, um Kunden und Vermittlern zu helfen, die schwierige Zeit und deren Folgen zu meistern.
Zweites großes Thema war die Weiterbildungspflicht der Vermittler. Bekanntlich muss jeder Agent mindestens 15 Stunden pro Jahr absolvieren. Hierzu erfragten wir, was Helvetia anbietet, um die Verpflichtung mindestens die Hälfte der Stunden bei „Unabhängigen“ und die andere Hälfte bei der Helvetia absolvieren und damit die gesetzliche Vorgabe erfüllen zu können. Und hier ist in den nächsten Wochen noch einiges geplant! Wer also noch Stunden für die Weiterbildung braucht, sollte hier nachlesen…

Hier folgt nun Teil 2 des Interviews mit Werner Panhauser, Helvetia Vorstand:

Helvetia Vorstand Werner Panhauser, Foto von Helvetia beigestellt

IVVA: Neues Thema: Was hat sich bei Ihnen produktseitig in den letzten Monaten geändert? Haben Sie neue Produkte oder Verbesserungen bei bestehenden Produkten auf den Markt gebracht?

VST Panhauser: Im Schaden UNFALL-Bereich gab es wesentliche Verbesserungen beim Thema Cyber in unserer Haushaltsversicherung und in unserem Gewerbeprodukt Helvetia Best Business, d.h. dort gibt es die größten (positiven) Auswirkungen auf unsere Vermittler.

IVVA: Warum stand gerade das Thema Cyber-Sicherheit in Ihrem Fokus, noch dazu bei der Haushaltsversicherung?

VST Panhauser: Gefahren lauern nicht nur beim Hausputz oder Spielen in der Wohnung. Auch die „dank Corona“ neu gewonnene Freizeit zu nützen, um sich gemütlich auf der Couch durch das Angebot diverser Onlineshops zu klicken, kann gefährlich werden. Stichwort Cyberbetrüger, die sich Corona zu Nutze machen.

IVVA: Man liest immer wieder, dass Betrüger versuchen, Kontodaten zu stehlen oder die EDV mit Viren und Trojanern zu befallen. Wie kann mir Helvetia da helfen?
VST Panhauser: Vor diesen und anderen Gefahren des Internets schützt Sie der Baustein „Cyber“ der Helvetia Card Haushaltsversicherung. Da stellt der Kauf- und Kontoschutz einen wichtigen Bestandteil dar. Helvetia ersetzt bis zu je 3.000 Euro, wenn Bankkarten-Informationen mit gefälschten Mails oder gefälschten Websites abgefragt und Geld abgebucht wurden.
Der Kaufschutz beinhaltet eine Kostenübernahme bei Beschädigung bzw. Zerstörung innerhalb von 24 Stunden ab Kauf (über Online-Shops) von beweglichen Sachen, die dem Privatgebrauch dienen (bis je max. 3.000 Euro).

IVVA: Oft wird der Kunde mit solchen Fällen völlig überfordert sein, sollte er in so eine Falle tappen.

VST Panhauser:  Das stimmt. Und genau deshalb bieten wir über unsere 24-Stunden-Hotline der Helvetia Card Home immer Beratung zu Cyberkriminalitäts-Schadenfällen an.

IVVA: Was fällt da alles darunter?

VST Panhauser: Beispielweise Virenbefall, Cyber-Erpressung, unerlaubte Veröffentlichung von Fotos, unberechtigte Abmahnung bei »free«-Downloads (also angeblich kostenloser Software, etc.), Identitätsdiebstahl, E-Mail-Betrug und vieles mehr.

IVVA: Für Privat-Kunden kann es ärgerlich sein, wenn man ein paar Hundert Euro verloren hat oder erpresst wird. Aber existenzbedrohender wird es, wenn ein Unternehmen zum Stillstand kommt, weil die EDV durch Viren ruiniert oder durch eine Bitcoin-Erpressung gesperrt wurde. Was bieten Sie da an?

VST Panhauser: Die Helvetia Best Business (kurz HBB) Cyber-Versicherung. Diese kann in einem gemeinsamen Offert mit HBB Plus angeboten werden. Sie soll für unsere Gewerbekunden eine optimierte und zeitgemäße Risikoabdeckung darstellen. Inkludiert sind sowohl die Vermögenschäden und Servicekosten die unseren Kunden betreffen (also der Eigenschaden), als auch Schadenersatzforderungen an unseren Versicherungsnehmer wegen Vermögenschäden Dritter (Haftpflicht bzw. Drittschaden).

Und sofern das gewählt wurde, gelten Schäden bei Betriebsunterbrechung/im Ertragsausfall bis zur vereinbarten Versicherungssumme mit einer Haftzeit von 30 Tagen als versichert.

IVVA: Hier konzentriert sich also die Versicherung wirklich auf ihre Hauptaufgabe, nämlich den Schutz vor existenziell bedrohenden Risiken. Was sonst ist in der Cyber-Versicherung inkludiert?

VST Panhauser: Im Schadensfall ermöglichen wir den Zugang zu einem Expertennetzwerk bestehend aus Spezialisten der IT-Security, PR- und Rechtsberatern sowie Datenschutzspezialisten, um Haftungsrisiken möglichst vom Unternehmer fern zu halten. Im Cyber-Krisenfall unterstützen wir rasch und unbürokratisch beispielsweise mit der Aufschaltung auf die betroffene IT, Hilfeleistung und Krisenmanagement bis hin zum Vor-Ort-Service. All diese Leistungen werden rund um die Uhr gewährleistet.

IVVA: Gerüchten zufolge wurde im Vorjahr eine große Vertriebs-Organisation zum Opfer eines groß angelegten und erfolgreichen Hackerangriffs. Wochenlang gab es Probleme. Auch für die einzelnen Vermittler. Raten Sie also den Agenten auch selbst so eine Cyber-Versicherung abzuschließen? Und prüfen Sie das?

VST Panhauser: Ja, wir raten jedem Vermittler eine Cyberversicherung für sich abzuschließen. Wie zahlreiche Studien aus den Jahren 2018 und 2019 belegen, bleibt die Digitalisierung auch weiterhin der bedeutsamste Trend. Da Firmen immer mehr Daten produzieren und vernetzte Geräte nutzen, rücken Cyber-Risiken weiter in den Vordergrund. Die Ergebnisse dieser Studien betonen, dass adäquate Cyber-Risiko-Versicherungsprodukte diesen Bedarf an Schutz ansprechen und sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach solchen Produkten in Europa wächst.

IVVA: Also entsteht hier eine große Verkaufschance für unsere Agenten?

VST Panhauser: Auf jeden Fall. Auch in Österreich stehen laut einer Befragung von Experten aus dem Industrie und Firmen-Versicherungsgeschäft, Cybergefahren an erster Stelle: 51 Prozent der österreichischen Befragten sehen in Cyberkriminalität, IT-Ausfällen, Datenschutzverletzungen und ähnlichem ein vordringliches Risiko. Dieses Risiko ist im Zusammenhang mit der Betriebsunterbrechung (BU) zu sehen, die mit 30 % auf Rang vier liegt. Auffällig ist, dass Cyber- und BU-Risiken zunehmend miteinander verknüpft sind, da Ransomware-Angriffe oder IT Probleme oft zu Betriebs- und Serviceunterbrechungen führen.

Also JA, wir empfehlen den Agenten, selbst auch eine Cyberversicherung abzuschließen.
Und NEIN, wir prüfen nicht ob ein Vermittler ausreichend gegen Cyberattacken in seiner eigenen EDV-Architektur geschützt ist.

IVVA: Kommen wir nun zum Produkt Lebensversicherung. Manche Häuser haben seit Jahren starke Rückgänge bei diesem Produkt. Wie geht es Ihnen? Hat das Produkt in Zeiten der Nullzins-Politik überhaupt noch eine Chance?

VST Panhauser: Im Bereich Lebensversicherungen hat Helvetia bereits frühzeitig auf das Niedrigzinsumfeld reagiert und konsequent auf die fondsgebundene Lebensversicherung gesetzt. Gerade in Zeiten von niedrigen Zinsen zählen fondsgebundene Produkte zu den wenigen Veranlagungen, die attraktive Ertragschancen bieten. Helvetia bietet steueroptimiertes Investmentsparen im Rahmen der fondsgebundenen Lebensversicherung an und konnte dadurch, im Gegensatz zum Gesamtmarkt, viele neue Partner dazu gewinnen sowie starke Zuwächse verzeichnen.

IVVA: Was macht Helvetia anders? Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

VST Panhauser: Helvetia war 2011 die erste Versicherung am österreichischen Markt, die sich auf Investmentsparen im Versicherungsmantel spezialisiert und neuartige Flexibilität umgesetzt hat, die davor nur Banken vorbehalten war. Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden beispielsweise neben über 200 Fonds und 5 hauseigenen Portfolios auch das Helvetia Sicherungskonto an. Das Sicherungskonto investiert in den klassischen Deckungsstock der Helvetia und gibt Anlegern die Möglichkeit, genau in besonders volatilen Marktlagen, binnen 5 Werktagen aus dem Kapitalmarkt auszusteigen und das Vermögen somit rasch abzusichern.
Flexible Prämiengestaltungs- sowie Entnahme- und Zuzahlungsmöglichkeiten runden unsere fondsgebundenen Produkte ab.

IVVA: Diese Volatität, also eigentlich Börsen-Crash, während des Corona-Lockdowns habe ich selbst am eigenen Leib erlebt. Meine Lebensversicherung ist am 1.4. nach 20 Jahren abgelaufen und hätte einen Minus von 13.000 Euro dank der Börsen-Verluste im März erlitten, wenn ich sie nicht prämienfrei verlängert hätte. Hatten Sie auch viele entsprechende Anfragen von Kunden? Was passiert, wenn sich Kunden die Prämien nicht mehr leisten können?

VST Panhauser: Wir konnten speziell während der Monate März – Juni 2020 feststellen, dass Vermittler bzw. Kunden das volle Spektrum der tariflichen Freiheiten verstärkt in Anspruch genommen haben. Das Zitat von Carl Mayer von Rothschild „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen“, ist nicht nur zur Börsenweisheit geworden. Sondern war hausintern ein Leitspruch in der Corona-Krise. Besonders stark gefragt waren Zuzahlungen in unsere fondsgebundenen Lebensversicherungen.

IVVA: Können Sie uns verraten, wie viel dazu gezahlt wurde?

VST Panhauser: Die niedrigen Börsenkurse haben viele genutzt, um zwischen € 2.500 und 20.000 € zusätzlich einzuzahlen. Dadurch konnten wir im März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum tatsächlich ein beachtliches Plus von + 24,5 Prozent bei Zuzahlungen verzeichnen. Und sehr beliebt bei Anlegerinnen und Anleger war auch unser hauseigenes, nachhaltiges Portfolio FairFuture Lane, das sich auf Grund der soliden Auswahl der darin enthaltenen Unternehmen deutlich stabiler in der Krise entwickelt hat und sich generell durch eine besonders gute Performance auszeichnet.

IVVA: Zuzahlungen muss man sich in einer Krise leisten können. Es wird wohl auch die andere Seite der Medaille geben haben, also Kunden, die sich die Einzahlungen wegen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, etc. nicht mehr leisten konnten. Wie konnten Sie denen helfen?

VST Panhauser: Sie haben Recht. Neben diesen erfreulichen Zuwächsen sehen wir uns als seriöser und langfristiger Partner in Sachen Vermögensaufbau für all unsere Kundinnen und Kunden. Dazu gehört aus unserer Sicht genauso, in finanziell schwierigen Zeiten da zu sein, und auf die individuelle Situation möglichst flexibel und unbürokratisch zu reagieren.

IVVA: Welche Optionen gibt es?

VST Panhauser: Unsere fondsgebundenen Produkte können verlängert werden, um Verluste durch einen ungünstigen Ausstiegszeitpunkt zu vermeiden. Darüber hinaus gewährleisten unsere Lebensversicherungen die Möglichkeit, Entnahmen zu tätigen, ab dem 2. Versicherungsjahr die Prämienzahlung zu reduzieren oder wenn nötig die Prämienzahlung gänzlich auszusetzen. Anlegerinnen und Anleger profitieren weiterhin von den gebotenen Ertragschancen des bereits investierten Kapitals und haben gleichzeitig die aktuelle Prämie zur freien Verfügung.

Erwähnen möchte ich hier auch noch, dass wir langjährige Agenturpartner die von Ausfällen in der LV betroffen waren, gezielt unterstützt haben. Konkret haben wir hier entstandenes Provisionsminus nicht sofort fällig gestellt, sondern zeitliche Vereinbarungen getroffen. Oft hatten die Kunden dann zwischenzeitlich die Zahlung wieder aufgenommen und das Minus hat sich egalisiert.

Im 3. und letzten Teil sprechen wir mit Vorstand Panhauser über die tägliche Umsetzung der IDD, DSGVO und Standesregeln und welche Probleme es da womöglich gibt.

> Wie wird die zielmarktkonforme Vermittlung überwacht?
> Werden Beratungsprotokolle standardmäßig oder nur anlassbezogen kontrolliert?
> Warum sind Agenten Datenverantwortliche und keinesfalls weisungsgebundene Auftragsverarbeiter?
> Wie sieht Werner Panhauser den starken Trend zur Digitalisierung und den Kampf Mensch-Maschine?
> Und hat Helvetia ein Nachwuchs-, Nachfolge-Problem?