Beratungsprotokoll verpflichtend an Versicherer abliefern?

Ist das eine FMA-Vorgabe oder Versuch, Vermittler zu binden und Kundendetails zu erfahren?

Geschätzte Agentinnen und Agenten,

jeder Versicherungsvermittler ist lt. Verordnung für Versicherungsvermittlung Nr.162 vom 19. Juni 2019 verpflichtet, zahlreiche Informationen in Schriftform bei Kundenkontakt zu übermitteln. Und das Gespräch so gut wie möglich zu dokumentieren. Das betrifft das Neugeschäft, aber auch wesentliche Veränderung bei einem Versicherungsschutz seiner Kunden.

So ein Beratungsprotokoll kann helfen, den Weg zum vermittelten Produkt genau nach zu vollziehen. Und Sie etwa vor der ungerechtfertigten Behauptung zu schützen, Sie hätte nicht im besten Interesse des Kunden gehandelt, sondern jenes Produkt vermittelt, wo Sie die meiste Provision bekommen würden.

Ebenso empfehlenswert ist die Dokumentation, wenn ein Interessent/ Kunde ausdrücklich keine Beratung möchte. Die entsprechenden Vorgaben/Gesetzespassagen finden Sie auf unserer Homepage unter dem Menue „Recht für Agenten & IDD“. Dazu hier klicken…

Uniqa verlangt alle Beratungsprotokolle!
Seit ein paar Tagen erreicht uns die Information, dass die Uniqa von allen Agenten die automatische Übermittlung der Beratungsprotokolle verlangen würde.

Wir wurden gefragt, ob dies wirklich aufgrund einer Ministeriums- oder FMA-Vorgabe passieren würde oder ein willkürlicher Versuch sei die Agenten noch straffer an sich zu binden und möglichst viele Informationen über deren Kunden zu erhalten?

Wir haben daher beim Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort – ist für IDD und Berater zuständig – nachgefragt. Und wurden an die FMA verwiesen, weil die FMA für die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen zuständig ist.

Also fragten wir die FMA:
Gibt es eine FMA-Vorgabe, dass ab nun die Versicherer von allen Agenten standardmäßig alle Beratungsprotokolle einfordern sollen/müssen (und wie das mit Datenschutz vereinbar sei – weil im Beratungsprotokoll mitunter sehr viel mehr an Informationen über den Kunden, seine Lebensverhältnisse, seine finanzielle und versicherungsmäßige Absicherung, usw. enthalten ist, als der Versicherer für das Ausstellen der Polizze benötigt). Und falls ja: Welche Beweggründe hierfür vorliegen würden. Unsere Anfrage wurde zwar registriert, aber noch nicht beantwortet. Sobald diese eintrifft, werden wir Sie wieder informieren.

Bis jetzt war unser Wissenstand hinsichtlich „Prüfung durch den Versicherer“ der, dass nur bei Kundenbeschwerden – also Anlassbezogen – eine Überprüfung des Protokolls des Vermittlers durch den Versicherer gewünscht worden ist – wenn damit die Angelegenheit geklärt werden konnte.

Die Informationspflichten der Vermittler liegen allein in deren Verantwortung. Dass angeblich die FMA die Versicherungen als Kontrollor einspannt, fänden wir höchst bedenklich. Damit werden Aufgaben der Behörde an private Unternehmen übertragen.

Wenn man berücksichtigt, dass die Zusammenarbeit selbständiger Vermittler mit ihren Produktgebern nicht immer ohne Friktionen ablaufen, ist eine willkürliche Kontrolle durch den Versicherer – ganz speziell bei Versicherungsagenturen (die wesentlich abhängiger sind, als etwa Makler) – kontraproduktiv.

Wir halten Sie am Laufenden.

Das IVVA Team

 

 

 

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