Worauf können sich Agenten bei ARAG freuen (NL 12b/19)

Mag.a Birgit Eder, Vorsitzende des ARAG-Vorstands; Foto ARAG

Interview mit Mag.a Birgit Eder, Vorstandsvorsitzende der ARAG Versicherung

IVVA: Was hat sich bei Ihnen im letzten Jahr geändert? Wie schaut die Vertriebs-Situation aktuell aus? War es ein gutes Jahr für Sie? Wachsen Sie? Mit der Branche oder sogar stärker?

Mag.a Eder, ARAG: Das Jahr 2019 läuft vertrieblich gut an. ARAG Österreich steht derzeit aufgrund Ihrer Ertragsstärke, der Kundenzufriedenheit und steigendem Prämienwachstum auf soliden Beinen. Die Geschäftszahlen der ARAG Österreich sind in allen Bereichen sehr gut. Wir weisen für 2018 ein Wachstum unseres Prämienvolumens von insgesamt 6,30 % auf, demnach deutlich über dem Markt. Während die Produktion gestiegen ist, konnten wir gleichzeitig eine Reduzierung der Vertragsstorno erreichen. Die Schadenzahlungen waren auch heuer wieder stabil, sodass das versicherungstechnische Ergebnis mehr als positiv ausgefallen ist.

IVVA: Bei ARAG gab es einen Wechsel im Vorstand, Sie sind nun zur Vorstandsvorsitzenden gekürt worden. Was planen Sie zu ändern? Wird sich etwas für die Agenten merklich ändern?

Mag.a Eder, ARAG: Die ARAG hat ein eingespieltes Team, das für unsere Kunden und Vertriebspartner mit viel Engagement an neuen innovativen Produkten und Services arbeitet. Das hat sich auch bezahlt gemacht – so durften wir letztes Jahr zahlreiche Auszeichnungen zu Themen wie Abwicklungsservice, Produktmanagement und Vertriebsunterstützung entgegennehmen.

IVVA: Das ist wohl ein starker Vertrauensbeweis Ihrer Vertriebspartner.

Mag.a Eder, ARAG: Genau. Und damit eine Bestätigung für unsere bisherige Arbeit. Diese Stärken als Rechtsschutzspezialist gilt es auch zukünftig zu bewahren und weiter auszubauen. Mein Ziel ist es, die Ertragsstärke der ARAG Österreich weiter zu stabilisieren und über weitere Innovationen und Servicefokussierung nochmals weiter auszubauen. Zusätzlich ist es aber auch wichtig, neue vertriebliche Akzente am Markt zu setzen. Gerade im wichtigen Bereich Betriebsrechtsschutz sehen wir noch weiteres Entwicklungspotenzial und somit Wachstumsmöglichkeiten. Gerade in diesem Bereich ist es wichtig unseren Vertriebspartnern mit viel Know how zur Seite zu stehen – darauf können sich die Agenten weiterhin verlassen.

IVVA: Was hat sich bei Ihnen produktseitig seit dem letzten Interview verändert? Haben Sie neue Produkte, Tarife, etc. auf den Markt gebracht? Welche Auswirkungen gibt es für Vermittler und Kunden? Verbesserungen?

Mag.a Eder, ARAG: Wir haben Anfang Jänner 2018 einen neuen Tarif für Privat-und Firmenkunden heraus gebracht. In vielen Bereichen wurden Leistungen erweitert, insbesondere im außergerichtlichen Bereich. Bei der Produktentwicklung haben wir darauf Wert gelegt, das Grundpaket im Rechtsschutz möglichst „satt“ zu gestalten.

IVVA: Was bedeutet das genau?

Mag.a Eder, ARAG: Beispielsweise ist bei uns im Basispaket der Strafrechtsschutz inklusive dem Ermittlungsverfahren und den Vorsatzdelikten versichert. Ein gesonderter prämienpflichtiger Einschluss dieser Bausteine ist daher bei ARAG nicht notwendig. Damit ist man im Schadenfall bei ARAG sicher gut aufgehoben. Neu ist bei der Vermietung von Wohneinheiten etwa der Versicherungsschutz bei einem Mietausfall. Dieser schützt vor finanziellen Nachteilen durch sogenannte Miet-Nomaden. Und unsere Firmenkunden sind in unserem Premium Produkt zukünftig mit dem neuen Cyber-Rechtsschutz auf der sicheren Seite.

IVVA: Wo sehen Sie im Marktvergleich Ihre Vorteile? Warum soll ein Agent – neu – mit Ihrem Haus zusammen arbeiten? Wo unterscheiden Sie sich von anderen Mitbewerbern?

Mag.a Eder, ARAG: Der Rechtsschutz ist keine leicht verständliche Sparte. Es geht um das schon per se schwierige Thema „Recht“. Als Spezialversicherer sehen wir unsere Aufgabe insbesondere darin, unseren Vermittlern mit viel Kompetenz und Unterstützung bei der Beratung ihrer Kunden beizustehen. Wir setzen hier insbesondere auf persönliche Betreuung, gute Erreichbarkeit, verständliche Verkaufsunterlagen und gut aufbereitete Rechtsschutzangebote.

IVVA: Wie kann man die oftmals vorhandenen Anfangsschwierigkeiten bei Vermittlern vermeiden?

Mag.a Eder, ARAG: Wir bieten unseren Agenten ein breites Spektrum an Schulungen im Rechtsschutz an. Da erfreut sich nicht nur unsere Rechtsschutzbedingungs-Schulung mit vielen praktischen Beispielen großer Beliebtheit, sondern zunehmend auch unsere Webinare zu verschiedensten Themen, wie z.B. Fahrzeug-Rechtsschutz oder Schadenkündigung in der Rechtsschutzversicherung. Als Spezialist können wir hier mit unserem Rechtsschutz-Know how punkten.

IVVA: Als großer Vorteil Ihres Hauses wurde in den letzten Jahren das von Ihnen aufgebaute Inhouse-Service im Schadensfall genannt.

Mag.a Eder, ARAG: Ja, das ist wirklich ein Mehrwert! Wir haben in unserer Schadenabteilung rund 40 hauseigene Juristen, die für unsere Kunden telefonisch Rechtsberatung erteilen und in geeigneten Fällen auch gleich an den Gegner herantreten, um den Rechtsstreit für den Kunden zu lösen. Die Zufriedenheit unserer Kunden ist uns sehr wichtig – sie stehen bei uns im Mittelpunkt. Das zeichnet uns aus. Damit können die Agenten sicher sein, dass ihre und unsere Kunden gut bei ARAG aufgehoben sind.

IVVA: Und worauf kann sich der Agent als Partner der ARAG freuen?

Mag.a Eder, ARAG:
ARAG legt auch bei der Vertriebsunterstützung großen Wert auf persönliches Service. Unsere Vertriebsrepräsentanten und die Mitarbeiter des Vertriebssupports unterstützen mit individuellen Lösungen und kurzen Reaktionszeiten. Zusätzlich bieten wir auch digitale Unterstützung an. Sowohl der Kunde als auch der Vermittler finden auf der ARAG Homepage alle Informationen zu Produkten und Unterlagen (Broschüren, Anträge, Produktinformationsblätter). Eine Schadensmeldung, Kennzeichen- oder Adressänderungen können rasch direkt online erledigt werden.

IVVA: Darf ich da nachfragen, wie Sie den Trend hin zum Online-Vertrieb sehen?

Viele Vermittler befürchten, Geschäft und Kunden zu verlieren. Wie kann ein kleiner Vermittler künftig gegen den Computer bestehen? Oder gegen die großen Datenkraken bestehen (die uns besser kennen, als wir uns selbst)? Was also tun, wenn etwa Amazon, Google und Facebook ins Versicherungsgeschäft drängen?

Mag.a Eder, ARAG: Der Onlinevertrieb ist unserer Meinung nach eine Notwendigkeit, kann den persönlichen Kontakt mit dem Vermittler aber keinesfalls ersetzen.

Der internetaffine Kunde möchte rasch und möglichst von zu Hause aus eine Versicherung abschließen. Dies funktioniert aber eher für Standardlösungen. Sobald es um sehr individuelle Versicherungslösungen geht, ist ein guter Vermittler und dessen profunde Beratung unersetzlich. Gerade im Rechtschutzbereich. Denn die Rechtsschutzversicherung ist nach dem Bausteinprinzip aufgebaut. Die Modularität ermöglicht es, auf individuelle Bedürfnisse des Kunden angepasste Produkte zu leistbaren Prämien anzubieten. Dies erfordert jedoch eine professionelle Beratung vor Abschluss der Versicherung. Insbesondere im Firmen-Rechtsschutz werden zunehmend individuelle Lösungen angeboten – in diesem Bereich ist es nicht sinnvoll einen rein digitalen Weg zu gehen.

Ich denke, dass sich neue Technologien, Digitalisierung und persönliche Beratung und Kundenservice nicht ausschließen – im Gegenteil, sie ergänzen einander um so ein optimales Serviceerlebnis für den Kunden zu schaffen.

IVVA: Planen Sie den Agenturvertrieb auszubauen? Suchen Sie weitere Agenten? An wen sollen sich Interessenten wenden?

Mag.a Eder, ARAG: Wir freuen uns über jeden neuen Agenten, der mit ARAG zusammenarbeiten möchte. Interessenten können sich entweder direkt an den zuständigen Vertriebsrepräsentanten wenden (Kontaktinfos auf unserer Homepage) oder unser digitales Formular auf unserer Homepage www.arag.at unter „Kontakte/Partner werden“ ausfüllen.

IVVA: Anderes Thema: Wie geht es Ihnen mit der täglichen Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung DSGVO? Hatten Sie bis zum 25.5. alles fertig gehabt?

Mag.a Eder, ARAG:
Der Datenschutz hat für uns als Rechtsschutzversicherer einen besonders hohen Stellenwert. Daher wurde auch von Konzernseite schon sehr früh ein internationales Projekt gestartet, um zeitgerecht den Anforderungen der DSGVO zu genügen. Beginnend mit einer „Status Quo-Analyse“ und der Identifikation von Handlungsfeldern haben wir ein umfangreiches Verfahrensverzeichnis erstellt. Im Zuge dessen wurden die einzelnen Prozessschritte von der Datenschutzseite nochmals durchleuchtet und neu bewertet. Wir haben externe Experten zu Rate gezogen. Unsere IT-Systeme wurden entsprechend angepasst.

Wir waren daher pünktlich zur Inkraftsetzung der Datenschutz-Grundverordnung auf dem neuesten Stand in Sachen Datenschutz. Alle Mitarbeiter wurden geschult und wir sind sehr stolz darauf, dass wir ein konzerninternes Audit zum Thema Datenschutz vor kurzem mit der Bestnote bestanden haben.

IVVA: E-Mail gilt von technischer Seite als unsicherer Übertragungsweg, wird aber sicherlich auch bei Ihnen stark genutzt werden. Wie stellen Sie eine sichere Datenübertragung sicher? Darf ein Vermittler Kundendaten via E-Mail an Sie übermitteln?

Mag.a Eder, ARAG: Die DSGVO regelt nicht explizit wie Daten transferiert werden müssen. Die Übermittlung von Daten per Mail ist in Österreich im Versicherungsbereich üblich. Branchenüblich und auch vom VVO empfohlen ist die TLS Verschlüsselung (Transport Layer Security). ARAG nutzt diese seit Jahren und hat sie nochmals auf die neuere Version (TLS2) upgegradet. Zusätzlich besteht die Möglichkeit für Vermittler und Kunden Datenänderungen oder einen Schadenfall über unsere Homepage zu melden.

IVVA: Sie stufen die Agenten in Ihrem neuen Agenturvertrag richtigerweise als Datenverantwortliche nach der DSGVO (mit Übergang der Daten dann gemeinsame Datenverantwortlichkeit. Wie kamen Sie zu Ihrer Rechtsansicht? Und wie haben Sie diese an die Agenten mitgeteilt?

Mag.a Eder, ARAG: Agenten sind eigenständig und eigenverantwortlich mit eigenem Budget. Sie bekommen von uns eine Courtage und sind nicht weisungsgebunden. Dies begründet unsere Rechtsansicht. Dieser Rechtsansicht folgt auch der VVO. Wir haben in Form einer Ergänzungsvereinbarung zur Courtagevereinbarung die Regelungen betreffend DSGVO und IDD ergänzt.

IVVA: Zum adaptieren Agenturvertrag möchte ich hiermit gratulieren. Wir haben die vorbildliche DSGVO-Umsetzung auch auf der IVVA-Homepage entsprechend bewertet (Anmerkung: zum Nachlesen hier klicken…

Anderes juristisches Thema: Wie geht es Ihnen mit der Umsetzung der IDD?

Mag.a Eder, ARAG: Die IDD hat uns vor neue Herausforderungen gestellt, die wir jedoch als Chance begreifen. Wir haben, obwohl die Umsetzung auf sich warten ließ, stets zeitnah versucht bereits die europäischen und dann die nationalen Vorgaben umzusetzen.

Es wurden umfangreiche Schulungspläne für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erstellt, bzw. ausgebaut. Entsprechende Zielmarktdefinitionen wurden vorgenommen. Wir konnten daher alles zeitgerecht umsetzen. Auch unsere Produktinformationsblätter waren rechtzeitig fertig und stehen unter anderem auf unserer Homepage zur Verfügung. https://www.arag.at/fuer-vertriebspartner/dokumentencenter/

IVVA: Zur Branchen-Entwicklung: Was wird die Zukunft bringen? Marktbereinigung (Agenten-, Klein-Maklersterben), Zusammenschlüsse auf regionaler Ebene oder riesige Verbünde wie etwa Safe 7 mit 200 Mio. Volumen. Kann man gegen solche Trends noch etwas tun (Digitalisierung, Zusammenschlüsse)? Wo liegt die Überlebenschance für die Kleinen?

Mag.a Eder, ARAG: Durch die zunehmende Regulatorik haben wir insbesondere im letzten Jahr bemerkt, dass es zu einem großen Zulauf zu Vermittlervereinigungen gekommen ist.

Die Anforderungen der IDD und DSGVO sind für die kleinen Vermittler natürlich enorm. Eine riesige Vereinigung, die den Mitgliedern diese Sorgen abnimmt, hat natürlich Vorteile. Auf der anderen Seite ist die eigene Unabhängigkeit auch ein Beweggrund dieser Entwicklung nicht zu folgen.

ARAG arbeitet seit jeher sowohl mit großen Gruppen als auch mit einer großen Anzahl kleiner Vermittler zusammen. Wir sind natürlich bemüht, alle Formen der Vermittlung bestmöglich zu bedienen. Als Spezialrechtsschutzversicherer sehen wir unsere Aufgaben auch insbesondere darin, die Vermittler in diesen Zeiten des Umbruchs zu stärken. Unser Ziel dabei ist, vor allem den administrativen Aufwand des Vermittlers durch mehr Service zu vermindern.

Ich denke, dass Vermittler, die seit jeher auf qualitative Beratung und Service Wert gelegt haben auch in Zukunft überleben werden. Das beste Produkt ist wertlos, wenn die Beratung, Service und Betreuung mangelhaft sind.

IVVA: Viele in der Branche sprechen von Nachwuchs-, Nachfolgeproblemen. Ist ein Versicherungs-Vertriebs-Job für die Jungen nicht mehr attraktiv? Wie versuchen Sie gegen zu steuern?

Mag.a Eder, ARAG: ARAG Österreich ist ein attraktiver Arbeitgeber. Willkommen sind Experten, sowie Berufseinsteiger. Wir haben attraktive interne Schulungsprogramme und ermöglichen auch externe Weiterbildungen.

Besonders spannend ist, dass aufgrund unserer Größe eine gute Vernetzung untereinander möglich ist und man so Einblick in alle Bereiche bekommt und so viel voneinander lernen kann. Der Umgang ist sehr kollegial, die Wege sind kurz. Darüber hinaus bietet ARAG viele soziale Benefits und die Teilnahme an sportlichen und kulturellen Veranstaltungen

IVVA: Zum Schluss: Warum unterstützen Sie den IVVA?

Mag.a Eder, ARAG: Der IVVA ist ein wichtiger Interessensverband und es ist uns wichtig im Dialog zu sein. So erfahren wir die Bedürfnisse der Agenten und können Ihnen noch bessere Unterstützung bieten.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar