Weiterbildung heuer nur via Webinaren? (NL 27b/20)

In den Lehrplänen der Fachverbände (Agenten, Makler, Vermögensberater) ist nicht nur die Stundenzahl für die Weiterbildung geregelt, sondern auch die Frage, bei welchen Institutionen diese absolviert werden darf und wie das Verhältnis Präsenztraining zu Webinaren auszusehen hat.

In den Lehrplänen der Agenten und Makler ist geregelt, dass mindestens 15 Stunden pro Jahr zu absolvieren sind. Mindestens 50 % davon sind bei geeigneten und unabhängigen Bildungsinstitutionen zu absolvieren.

Und im § 2 Punkt 3 steht, dass es ein „ausgewogenes Verhältnis“ zwischen Präsenzveranstaltungen und Online-Kursen, Webinaren, E-Learning-Einheiten zu wahren sei.

Corona: Lobbying für verstärkten Webinar-Einsatz
In den letzten Wochen haben sich diverse Interessensverbände bemüht, das Wirtschaftsministerium davon zu überzeugen, dass man in Pandemie-Zeiten wo Abstand halten vernünftig ist, stärker oder ganz auf Webinare setzen sollte. Immerhin beginnt gerade die 2. Ansteckungswelle und diese wird sich in der kalten Winterzeit noch verschärfen. Die individuelle Ansteckungsgefahr ist die eine Gefahr. Aber auch das Haftungsrisiko für die Seminar-Veranstalter (womöglich drohen Klagen, wenn sich dort jemand ansteckt), aber auch Firmen, die Mitarbeiter zu Präsenztrainings senden, ist die zweite reale Gefahr. Als Folge werden immer mehr Weiterbildungsveranstaltungen – siehe etwa AssCompact Trendtag – abgesagt werden. An einen 2. Lockdown wollen wir gar nicht denken.

Wie also in diesen schwierigen Zeiten die Ausbildungsverpflichtung erfüllen?

Nun liegt die Antwort des Ministeriums vor. Die zentrale Aussage im Schreiben vom 29.9. – das Original können Sie unten nachlesen – ist, dass man möglicherweise akzeptiert, dass heuer die Weiterbildungsverpflichtung gänzlich via Online-Angeboten absolviert wird.

Allerdings schreibt das Ministerium, dass

„… die Auslegung des Begriffes des „ausgewogenen Verhältnisses“ zwischen Präsenzveranstaltungen und Veranstaltungen des vereinfachten Lernens unter Einbeziehung der im jeweiligen Einzelfall real gegebenen bzw. angebotenen Möglichkeiten, etwa unter anderem auch unter Berücksichtigung etwa des Alters und des Gesundheitszustandes des jeweiligen Gewerbetreibenden zu erfolgen hat.“

Das bedeutet, dass der Einzelfall beurteilt werden wird, so wird man sich also Alter und Gesundheitszustand des Gewerbetreibenden ansehen. Dass unsere Branche stark an Überalterung leidet, könnte in diesem Zusammenhang womöglich ein Vorteil sein, steigt doch das Corona-Risiko mit zunehmenden Alter an.

Das Schreiben des Wirtschaftsministeriums können Sie hier nachlesen:
Wirtschaftsministerium_weiterbildungspflicht-2020_Praesenzveranstaltungen_Webinare