Vorstand Panhauser zu Prüfpflichten des Versicherers nach IDD (NL 28b/19)

Werner Panhauser, Vorstand Helvetia Vertrieb/Marketing

IVVA: Ich freue mich, dass Sie sich wieder die Zeit nehmen, um mit dem IVVA über aktuelle Themen und Neuheiten zu sprechen. In Österreich wurde monatelang auf die IDD-Umsetzung gewartet. Wie hat sich durch die IDD das Marktumfeld für Sie, für die Agenten verändert?

VST Panhauser: Launisch könnte ich nun antworten: Wir haben die IDD, obwohl wir sie nicht bestellt hatten. Die IDD wurde durch Ereignisse verursacht, die nichts mit den österreichischen Vermittlermärkten zu tun hatten. Ja, in den anglikanischen Märkten kam es tatsächlich zu Fehlentwicklungen beim Verkauf, aber keinesfalls in dem Ausmaß, dass dies berechtigter Anlass für eine Verschärfung der Vermittler-Richtlinie gewesen sein könnte.

IVVA: Was ändert sich nun konkret für Sie bzw. die Agenten?

VST Panhauser: Die wichtigsten Punkte der IDD sind meiner Meinung nach einerseits die ganz klare Orientierung darauf, welches Produkt verkaufe ich wem (Schlagwort Zielmarkt). Und um die neuen gesetzlichen Bestimmungen diesbezüglich einzuhalten, muss ich den Weg zum Produkt genau dokumentieren.

Und der zweite wichtige Punkt ist: Welche Vereinbarung habe ich mit dem Versicherer. Gibt es da  Zuwachsvereinbarungen, die ausschließlich auf erreichte Mengen abzielen (also Mengenrabatt, der vielleicht zu Fehlberatung verlocken könnte). Das sollte man jedenfalls kritisch hinterfragen und ändern.

IVVA: Muss sich der Agent darum kümmern?

VST Panhauser: Beide, also Versicherer und Agent müssen sich darum kümmern. Meiner Meinung nach darf ein Versicherer solche Passagen nicht aussenden und der Vermittler darf so einen Vertrag nicht unterschreiben.

IVVA: Haben Sie sich die Mühe gemacht, alte Agenturverträge nach solchen Passagen zu durchsuchen?

VST Panhauser: Ja, wir haben jeden Agenturvertrag geprüft, ob alles noch ok ist oder Änderungsbedarf besteht. Wir haben etwa 3.000 Verträge durchgeackert, ob da nicht irgendeine Passage drinnen steckt, die bei strengen Auslegung zu Problemen führen könnte.

IVVA: Ein Ziel der IDD ist das Herstellen eines „level playing fields“, also gleiche Rahmenbedingungen für alle Vermittler-Formen zu schaffen. Glauben Sie, dass die IDD das bringen wird? Wird es wirklich zu einem fairen Wettstreit zwischen dem österreichischen Vermittler und einem Online-Portal, das vielleicht irgendwo auf einer Insel außerhalb der EU sitzt, kommen?

VST Panhauser: Ob das ein fairer Wettbewerb wird, kann man bezweifeln. Sicher ist, dass etwa Agenten und Makler sich an alle Bedingungen halten müssen, um ihren Beruf ausführen zu können. Und sie sind natürlich für die Aufsicht jederzeit greifbar.

Ob eine Sammelklage gegen einen Online-Vertrieb etwas bringt, der als GmbH auf einer Steuerinsel sitzt und nur eine Mini-GmbH-Einlage hat, ist wohl unwahrscheinlich. Das ist sicher eine Lücke, die aber meiner Meinung nach nichts mit der IDD zu tun hat. Aber leider bringt hier die IDD auch keine Verbesserung der problematischen Situation.

Fakt ist, dass der menschliche Vertrieb mit Regulierung überbelastet ist. Leider scheinen wir nichts mehr abzuschaffen, sondern legen immer neue Regeln noch oben drauf. Gleichzeitig agiert der Online Vertrieb teilweise im rechtsfreien Raum.

Die IDD, DSGVO und alle damit verbundenen Gesetze machen es für den regionalen Nahversorger immer schwieriger rechtskonform zu arbeiten und zu überleben.

IVVA:
Wie weit sind Ihre hausinternen Vorbereitungsarbeiten zur IDD gediehen? Alles erledigt?

VST Panhauser: Ja, wir sind mit der IDD-Umsetzung fertig. Sämtliche Produktblätter sind erstellt, die Zielmärkte definiert. Die Vermittler wurden über die Neuerungen informiert und wo man all diese Unterlagen findet. Wir haben einen Schulungsplan erstellt und diesen sowohl den Agenturen, als auch dem eigenen Außendienst zugänglich gemacht. Auch Online Lern-Content wurde erstellt und wird aktiv zur Weiterbildung genutzt.

IVVA: Wie kontrollieren Sie, ob der Vermittler dem Kunden das POG übergeben hat?

VST Panhauser: Das ist bei uns so gelöst, dass es beim Produkt automatisch dabei ist. Sie können keinen Antragsprozess starten, ohne dass das inkludiert wird. Also können Sie es auch nicht vergessen.

IVVA: Wie überprüfen Sie, ob die Vermittler IDD-konform vermitteln. Dazu sind Sie ja gesetzlich verpflichtet.

VST Panhauser: Ja, genau. Wir müssen und daher prüfen wir auch. Wir haben gleich zu Beginn einen Testlauf gemacht und über 1000 Stichproben gemacht. Das ist eine Mega-Aufgabe, immerhin reden wir von 100.000 Anträgen pro Jahr. Aber wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Stichproben bei jedem Vermittler zu machen.

Wir haben dazu ein Programm geschrieben, dass einen Mix aus allen Produkten, allen Vermittlern, etc. aussucht und konkrete Verträge als Stichprobe vorschlägt. Und die haben wir uns näher angesehen.

IVVA: Verraten Sie uns auch das Ergebnis?

VST Panhauser: Wir haben bei der Prüfung mehrere Kriterien abgecheckt, etwa das Beratungsprotokoll, die Zielmarkt-Einhaltung, etc. Trotzdem waren wir mit 92 Prozent der Anträge zufrieden. Mit jenen Vermittlern wo es noch Probleme gab, wurde in persönlichen Gespräch geklärt, wie man die Formvorschriften in der Agentur künftig korrekt umsetzt und die Mitarbeiter wurden per Dienstanweisung an die korrekte Umsetzung erinnert.

Wo es am Wissen gemangelt hatte, haben wir nachgeschult. Wo es an mangelnden Prozessen gescheitert ist, haben wir klar deponiert, wie das zu erfolgen hat, um IDD konform zu vermitteln.

Immerhin haben wir als Versicherer „dank IDD“ für die Tätigkeit unseres Vertriebs gerade zu stehen.

Aber ich war mit dem Ergebnis schon sehr zufrieden. Ich habe meine Freude auch sofort an die Betroffenen mitgeteilt und habe mich für die tolle Arbeit bedankt. Und ich bin wirklich zuversichtlich, dass wir mit den danach gesetzten Maßnahmen ein super, super End-Ergebnis in der Zukunft zustande bringen werden.

IVVA: Gab es bei diesem Testlauf einen Unterschied zwischen Jung und Alt?

VST Panhauser:
Nein, das kann man nicht sagen. Es gibt immer Leute, die alles genau und korrekt machen wollen. Die können 30-Jahre im Geschäft sein oder erst seit kurzem.

Und wie in jeder Branche gibt es auch ein paar Leute, die sich gern um solche Formvorschriften drücken wollen. Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun.

 

Nächste Woche erfahren im 2. Teil des Interviews, wie Vorstand Panhauser die Online-Entwicklung sieht und ob bzw. wo er Chancen für menschliche Berater (selbst wenn es sich um KMU, EPU handelt). Wo er die Gefahren der zahlreichen Zusammenschlüssen sieht und warum manche Märkte in Deutschland praktisch tot sind.  Und es keinesfalls gut für die Kunden ist, wenn die Preise ins Bodenlose fallen.

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