Vorständin Mag.a Eder zu Covid, News, IDD und DSGVO (NL 9b/21)

Mag.a Birgit Eder, Vorsitzende des ARAG-Vorstands; Foto ARAG

Interview mit Mag.a Birgit Eder, Vorstandsvorsitzende der ARAG Versicherung

Wie gut kam ARAG durch die Corona-Krise? Wie geht ARAG bei der täglichen Umsetzung von IDD und DSGVO vor? Was wird wie kontrolliert (Beratungsprotokoll, Zielmarkt-Einhaltung, Standesregeln, Weiterbildungsverpflichtung, etc.)? Welche Produkt-News und Services gibt es? Wie sollte man bei einem Hacker-Angriff vorgehen? Über diese und weitere Themen sprachen wir mit Mag.a Eder.

IVVA: Ich freue mich, dass Sie sich wieder die Zeit nehmen, um mit dem IVVA über aktuelle Themen und Neuheiten zu sprechen. Leider Corona-bedingt nicht wirklich als Gespräch, sondern via E-mail, was ich sehr schade finde, aber Sicherheit geht vor. Starten wir mit der Frage: Was hat sich bei Ihnen in den letzten Monaten geändert? Wie schlägt sich Corona bei Ihnen im Unternehmen nieder? Sind Mitarbeiter noch/wieder im Home-Office oder kehrte bereits wieder Normalität ein?

Mag.a Eder, ARAG: Selbstverständlich hat Covid-19 auch bei uns den Arbeitsalltag drastisch verändert. Die meisten von uns arbeiten nun seit einem Jahr im Homeoffice. ARAG hat als einzige Vertriebsschiene den ungebundenen Vertrieb. Die Betreuung unserer Vertriebspartner haben wir neben dem Telefon auch verstärkt mit Videokonferenzen durchgeführt.

IVVA: Konnten Sie während der letzten Monate den Kontakt zu den Kunden aufrechterhalten? Gab es Probleme? Wie reagieren die Kunden auf Corona? Akzeptierten die Kunden die „schlechtere Erreichbarkeit“ durch den Lockdown? Konnten Sie Ihre Beratungen komplett online abwickeln?

Mag.a Eder, ARAG: Im Leistungsbereich, wo die physische Anwesenheit normalerweise erforderlich ist – wie etwa bei der Inhouse-Mediation – wurde auf Videokonferenz umgestellt. Für uns war es wichtig gerade in dieser unsicheren Zeit die gewohnte Servicequalität auf hohem Niveau zu halten. Das ist uns auch gelungen.

IVVA: Es wird aber wohl auch Kunden geben, die noch nicht mit Web-Konferenz-Tools umzugehen gewohnt waren. Hatten Sie hier Probleme zu lösen? Gab es eigentlich mehr oder weniger Anfragen?

Mag.a Eder, ARAG: Unsere Kunden reagierten in der Zeit der drei Lockdowns durchwegs positiv. Wir verzeichneten einen Anstieg beim Bedürfnis nach rechtlicher Beratung, welchem unsere Juristen mit dem gebotenen Feingefühl in dieser schwierigen Zeit nachgekommen sind. Wir haben eine eigene Covid-19 Service-Seite auf der ARAG-Homepage eingerichtet, um unseren Vertriebspartnern und Kunden möglichst viele rechtliche Informationen zur Verfügung zu stellen und sie zu unterstützen.

IVVA: Erinnere ich mich richtig, dass Sie anfänglich sogar für Nicht-Kunden Hilfe in Form einer kostenlosen Rechtsberatung angeboten haben?

Mag.a Eder, ARAG: Korrekt. Dieses Angebot wollten wir vor allem den Kunden unserer Vertriebspartner anbieten, die keine Rechtsschutzversicherung hatten. Die Aktion war ein voller Erfolg und konnte sicherlich positiv zum Imagebild der Rechtsschutzversicherung beitragen.

IVVA: Gab es vermehrt Stornos, Stilllegungen, Zahlungsschwierigkeiten, etc.? Wie gingen und gehen Sie damit um?

Mag.a Eder, ARAG: Trotz Lockdown konnten wir gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern viele krisenbedingte Sonderlösungen für unsere Kunden finden. So konnten wir bei Corona bedingten Zahlungsschwierigkeiten von Kunden mit individuellen Lösungen diese schwierige Situation entschärfen.

IVVA: Und wie schaut ganz allgemein die Vertriebs-Situation aus? War das Vorjahr trotz Corona ein akzeptables Jahr für Sie?

Mag.a Eder, ARAG: Einen vertrieblichen Stillstand hat es für uns nicht gegeben. Mit dem zeitlichen Ausmaß hat natürlich niemand gerechnet. Aber wir meistern die Situation.

IVVA: Gibt es Aktionen, die dazu dienen sollen, die Corona-bedingten Verluste aufzuholen? Bieten Sie etwa wie andere Häuser spezielle Angebote an, die den Vermittlern helfen sollen, wieder beim Kunden erfolgreich zu sein? Etwa Prämien-Geschenke, prämienfreie Monate bei Neukauf, etc.?

Mag.a Eder, ARAG: Wir haben bereits nach Ostern 2020 eine Aktion gestartet, die unsere Vertriebspartner beim Abschluss von betrieblichen Rechtsschutzgeschäften unterstützen sollte. Bei Neuabschluss eines unserer Unternehmerprodukte (Betriebs-RS, Landwirtschaft-RS, Ärzte-RS, etc.) unterstützen wir Neukunden mit einer Prämiengutschrift von 3 Monatsprämien. Diese Aktion galt bis zum 30.06.2020 und wirkte sich nicht nachteilig auf die Provision aus.

Weitere attraktive Angebote gibt es bei Konvertierungen von Privat- und Gewerbegeschäft. Wir haben Anfang 2020 einen neuen Rechtsschutztarif herausgebracht. So entfällt im Privatrechtsschutz bei neuen Verträgen nun die Beschränkung der Höchstleistungspflicht des Versicherers, die sogenannte Versicherungssumme. Im Falle der Deckung steht dem Kunden nun unbegrenzte Leistungen zur Verfügung. In den Bereichen, in denen es Sublimits gegeben hat, wurden diese erheblich erhöht. Zudem kamen noch weitere attraktive Leistungsinhalte dazu. Ein Umstieg vom Alt-Tarif zum neuen Tarif ist daher für Kunden sicherlich interessant. Unsere Vertriebspartner erhalten daher von uns bei Konvertierungen entsprechende Rabatte, sofern diese notwendig sind. Für Anfragen stehen unsere Vertriebsrepräsentanten und unser Vertriebs-Support zur Verfügung. Und zwar unter der Telefon-Nummer: 01 53102-1450.

IVVA: Veränderte Corona die Klagsfreudigkeit? Nutzen viele Menschen / Firmen die (arbeitslosen) Zeiten des Lockdowns, um öfters zu Gericht zu gehen?

Mag.a Eder, ARAG: Das Bedürfnis nach Rechtssicherheit ist in Zeiten von Corona gewiss gestiegen. Wir nehmen vermehrt das Bedürfnis nach Rechtsberatung war. Die Kunden wollen sich über ihre Rechte informieren, um so Gewissheit in einer ohnehin unsicheren Zeit zu schaffen. Zu Beginn der Pandemie waren Streitigkeiten mit Reiseanbietern sehr häufig, zumal viele Reisen storniert werden mussten. Aber auch im Bereich Arbeitsrecht, Liegenschaftsrecht und Familienrecht herrscht großer Beratungsbedarf.

IVVA: Sind solche existenzielle Krisen wie Corona eigentlich gut oder eher schlecht fürs Geschäft? Also schließen mehr Menschen eine Versicherung ab (was gut für Sie wäre) oder verklagen sie einander mehr als normal (was schlecht für einen Rechtschutzversicherer ist)?

Mag.a Eder, ARAG: Wir glauben, dass gerade in unsicheren Zeiten der Bedarf nach Rechtsschutz groß ist. Dennoch verhielten sich viele Unternehmer anfangs noch zurückhaltend beim Abschluss von Rechtsschutzverträgen. Mittlerweile hat sich das allerdings geändert und wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung des Neugeschäftes.

IVVA: Das liegt wohl auch daran, dass wir alle in den letzten Monaten einiges an digitalem Know-How aufgebaut haben. Gehe ich Recht in der Annahme, dass vieles nun über Telefon-Beratung erfolgte, um persönliche Begegnungen zu vermeiden?

Mag.a Eder, ARAG: Die Aufrechterhaltung der Kommunikation und unserer Serviceleistungen war auch für uns sehr wichtig. Glücklicherweise ist ARAG technologisch gut aufgestellt. Somit war es uns möglich, die gesamte Belegschaft in kürzester Zeit ins Home-Office zu verlegen und dabei die Erreichbarkeit für unsere Vermittler und Kunden zu 100% aufrecht zu erhalten. Es ist uns sogar gelungen, in dieser Zeit die bereits gute telefonische Erreichbarkeit spürbar zu verbessern. Wir kommunizieren schon länger über verschiedene Wege mit unseren Kunden. Nicht jeder bevorzugt das persönliche Gespräch, darauf sind wir schon lange eingerichtet. Bei uns funktioniert alles auch telefonisch oder per Mail. Dazu bieten wir viel Information auf unserer Homepage und auch die Möglichkeit digitale Formulare zu verwenden, so etwa eine Schadenmeldung gemütlich vom Sofa aus zu machen.

Ja, insgesamt haben auch wir den Eindruck, dass seit der Pandemie bei unseren Kunden eine deutlich höhere Bereitschaft besteht, sich auf neue digitale Wege der Kommunikation einzulassen.

IVVA: Gibt es neue Produkte, neue Konditionen?

Mag.a Eder, ARAG: Wir versuchen immer am Puls der Zeit zu sein. Darum haben wir nach der erfolgreichen Einführung des neuen Privat- und Betriebs-Rechtsschutzes anfangs des Jahres drei weitere neue Produkte auf den Markt gebracht.

Zunächst den Management-Rechtsschutz. Nie zuvor war das persönliche Haftungsrisiko eines Managers größer als in diesen Zeiten. Eine Flut von Rechtsvorschriften und EU-Regulatorik erschweren den Überblick und erhöhen die Gefahr, bei Nichteinhaltung, in ein Strafverfahren verwickelt zu werden. Die Kosten der Verteidigung werden auch bei Freispruch grundsätzlich nicht ersetzt – nicht selten ist dieser Umstand existenzbedrohend. Der ARAG Management-Rechtsschutz ist eine professionelle personenbezogene Lösung für den Manager und die Führungskraft sowie den Einzelunternehmer und den freiberuflich Tätigen. Diese personenbezogene Lösung bietet dem Manager Unabhängigkeit von seinem Unternehmen, insbesondere wenn es sich um vorgeworfene Delikte gegen das Unternehmen handelt.

IVVA: Ich las auf Ihrer Homepage auch von einer Landwirtschafts-, Drohnenrechtsschutz-, Vermieterrechtschutzversicherung. Was zeichnet diese Produkte aus?

Mag.a Eder, ARAG: Ja, auch unseren Landwirtschafts-Rechtsschutz haben wir neu durchdacht. So wurden den bereits weitreichenden Leistungen neue Inhalte und Bausteine hinzugefügt. Erweiterungen gab es etwa bei der Mitversicherung von weiteren Generationen oder Gesellschaftern. Ebenso gibt es neue Versicherungslösungen für Nebenbetriebe oder eigens vom Landwirt gegründeten Vertriebsgesellschaften.

Der Drohnen-Rechtsschutz ist das neueste Produkt und wurde dieses Jahr gelauncht. Dies entspricht dem Bedürfnis unserer Vermittler, welchem wir immer versuchen nachzukommen. Das Betreiben einer Drohne birgt zahlreiche rechtliche Risiken. So ist seit heuer aufgrund einer neuen EU-weiten Regelung für alle Drohnen (außer Spielzeug-Drohnen) eine Registrierung notwendig. Drohnen mit CE-Zertifizierung als Spielzeug sind bei ARAG im allgemeinen Privat-Rechtsschutz mitversichert. Für alle anderen Drohnen stellen wir ein eigenes Produkt zur Verfügung.

IVVA: Bleibt noch der Vermieterrechtschutz, der sollte in der Pandemie ein ziemlicher Hit sein, oder? Gilt das für Kunden, die mit Vermietern wegen der Nicht-Benutzung Schwierigkeiten haben oder ist das Produkt für Vermieter gedacht, die wegen Corona Schwierigkeiten mit den Mietern haben (weil die auf Reduktion wegen Nichtbenutzung der Räume drängen)?

Mag.a Eder, ARAG: Der Vermieter-Rechtsschutz sichert rechtliche Schwierigkeiten ab, die ein Vermieter beim Vermieten einer Wohnung mit seinem Mieter haben kann. Wenn etwa der Mieter die Miete nicht zahlt, oder trotz Beendigung des Mietverhältnisses nicht aus der Wohnung auszieht und delogiert werden muss. Oder es gibt Streit über die Betriebskostenabrechnung. Bei ARAG gibt es für den Vermieter ergänzend den Mietausfall zu versichern. So sichert man auch die Gefahr ab, sogenannten Miet-Nomaden in die Hände zu fallen und mit einem Entgang der Miete konfrontiert zu sein.

Wir sichern auch die andere Seite, den Mieter ab, dies aber im Mieter-Rechtsschutz.

Der Liegenschaftsbereich ist traditionell ein Streitanfälliges Rechtsgebiet, da hat sich auch in Zeiten der Pandemie nichts geändert. Wie in allen Rechtsgebieten war das Beratungsbedürfnis unserer Kunden auch in diesem Bereich sehr hoch, schlicht um sich abzusichern.

 

Im 2. Teil des Interviews sprechen wir über die tägliche Anwendung der IDD, aber auch Standesregeln und Weiterbildungspflichten, dazu DSGVO und Cybersicherheit sowie Nachwuchs- und Nachfolge!

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