Kosten reduzieren beim Vermittler? Oder diesen übergehen? (NL 18b/20)

Was könnten die Hintergründe für die neuen, teilweise seltsamen Forderungen mancher Versicherungshäuser sein?

In den letzten Wochen haben wir mehrmals über neue Gepflogenheiten mancher Versicherer berichtet.
Etwa dass standardmäßig alle Beratungsprotokolle dem Versicherer hochzuladen sind. Was keine FMA-Vorgabe ist, wie wir von der FMA erfahren haben.

Zum Nachlesen: Beratungsprotokoll verpflichtend an Versicherer abliefern?
FMA: Keine Aufforderung zur Protokollablieferung (NL 17/20)

Oder dass nun bei jedem Antrag Mobil-Nummer und E-Mail-Adressen zwingend einzutragen sind, damit Kunde einen Versicherungsschutz erhalten.

Zum Nachlesen: Allianz: Sollen künftig Vermittler übergangen werden? (NL 15/20)

Und kürzlich erfuhren wir, dass ein Versicherer verlangt, dass man mit allen Kunden eine Marketing-Vereinbarung abschließen müsse, um überhaupt mit ihnen Kontakt aufnehmen zu dürfen (das ist natürlich übertrieben und auch nicht von der DSGVO gedeckt – darüber berichten wir nächste Woche im Detail).

Was könnten die Hintergründe für diese neuen, teilweise seltsamen Forderungen sein?
Wir können verstehen, dass Versicherungen ihre laufenden Kosten und hier speziell die Vertriebskosten senken möchten. Kostenbewusstsein sollte in jedem Haus Pflicht sein.

Möglicherweise spekulieren einige Versicherer mit dem direkten Verkauf über Internet. Und verlangen deshalb die Mail-Adresse (für die direkte Werbemaßnahme) und Handy-Nummer (um etwa Abschlüsse via PIN freigeben zu lassen). Das scheint für so manche Entscheidungsträger bei den Versicherern eine verlockende Perspektive.

Gesetzliche Regelungen, die den Kunden Schutz gewähren, und komplizierte und für den Laien unverständliche Versicherungsbedingungen lassen unserer Ansicht nach diese Wünsche – den Vertrieb über Internet zu gestalten – in der Praxis fast unmöglich erscheinen. Sind doch oft selbst ausgebildete Vermittler, mit dem Wirrwarr mancher Regelungen an der Grenze des Verstehens.

Allerdings hat die Corona-Krise gezeigt, dass sich sehr schnell Bisheriges komplett ändern kann und die Kunden unter bestimmten Bedingungen doch einiges zu akzeptieren bereit sind.

Trotzdem: Unserer Ansicht nach, wird der Vertrieb – auch in Zukunft- ohne Vermittler nicht funktionieren. Die Zeiten, wo Jedermann Versicherungsprodukte vermitteln durfte, sind vorbei. Bestens ausgebildete Vermittler, werden nicht nur vom Gesetzgeber, sondern auch von der Kundschaft erwartet, um etwa die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte erklärt zu erhalten, um mitzuhelfen den bedarfsgerechten Schutz zu finden. Jedenfalls ein sehr hoher Leistungsanspruch für den Berufstand.

Eigentlich sollte man erwarten dürfen, dass der Produktgeber seinen Vertrieb – welcher Art auch immer – bestens unterstützt. So steht es bereits im Handelsvertretergesetz (siehe unten). Aber scheinbar eine Erwartung die nicht immer erfüllt wird. Sind doch Vorgaben wie Handynummern und Mailadressen der Kunden anführen zu müssen, für Vermittler, aber auch Kunden nicht wirklich hilfreich. Auch Behauptungen man benötigt eine Marketingeinwilligung, um mit dem Kunden überhaupt in Kontakt treten zu dürfen, verunsichern nur.

Dass gerade beim Agenturgewerbe die Dominanz des Versicherers gegeben ist, wissen wir. Sie auch noch bewusst als Druckmittel einzusetzen ist ein Armutszeugnis der verantwortlichen Personen, die sich die obigen Maßnahmen ausdachten. Wir gehen aber davon aus, dass es sich nur um Einzelfälle handelt!

Mit seinem Vertrieb auf fairer und ehrlicher Basis zu arbeiten, sollte eigentlich selbstverständlich sein! Was sagt das Gesetz dazu?

Das Handelsvertreter Gesetz (HVertrG) hat mit seinen für den Versicherungsvertreter speziellen § 26a-d noch einige Paragrafen, die auch vom Versicherer beachtet werden sollten. Interessant erscheinen uns folgende Paragraphen:

  • 6 (1) Der Unternehmer (Anmerkung: Gemeint ist der Versicherer) hat den Handelsvertreter bei der Ausübung seiner Tätigkeit zu unterstützen.
  • 12 (1) Verhinderung am Verdienst (…gebührt eine angemessene Entschädigung)
  • 13 (2) ..besonderen Auslagen zu ersetzen, die er infolge Auftrags des Unternehmers aufwenden musste.

Den kompletten Text der Paragrafen finden unsere Mitglieder auf der Homepage und zwar in der Rubrik: Recht für Agentenoder hier…

Unterstützung, Verhinderung und zusätzliche Aufgaben sind vom Agenten genau zu hinterfragen, ob da nicht einiges zutrifft bzw. nicht zutrifft.

Ihr IVVA Team

PS: DANKE für die zahlreichen Rückmeldungen in den letzten Wochen.
Für jede Information, die für den Berufstand der Versicherungsagenturen von Bedeutung sein kann, stehen wir gerne als – gerne auch anonymer – Beschwerdepostkasten zur Verfügung. Nur so können wir rechtzeitig vor Fehlentwicklungen in der Branche erfahren und diese aufzeigen! Ein E-Mail an redaktion@ivva.at genügt.

 

 

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