Allianz: Sollen künftig Vermittler übergangen werden? (NL 15/20)

ALLIANZ ändert Annahmerichtlinien. Sollen die Vermittler künftig übergangen werden? Droht Direktgeschäft ohne Vermittler?

Seit 1.Mai 2020 können Vermittler, die für die Allianz tätig sind, nur mehr Anträge mit der zwingenden Angabe von Handynummer und E-Mailadresse einreichen.

Es stellt sich sofort die Frage, warum verlangt die Allianz das? Bereitet man hier das verstärkte Direktgeschäft – also die Umgehung der Vermittler – vor? DSGVO–Probleme sind ebenso zu befürchten, wie der Verlust von Vermittler (die Makler haben schon stark dagegen opponiert) und Kunden.

Was ist etwa mit Interessenten/Kunden, die kein Handy bzw. keine Mail-Adresse haben? Oder solche Daten aus Gründen der Privatsphäre zwar ihrer jahrelangen Vertrauensperson (dem Agenten), nicht aber einem Konzern mitteilen wollen (der was auch immer damit vorhat). Müssen die auf einen Versicherungsschutz der Allianz verzichten?

Ganz besonders fragen wir uns, was erwarten die Entscheidungsträger der Allianz von diesen Annahmebedingungen?

Welche Vorteile hat Allianz, wenn es keine Kunden mehr bekommt, die bewusst auf Handy und E-Mail verzichten oder nicht einem Konzern mitteilen wollen?

Droht die direkte Kontaktmöglichkeit mit dem Kunden? Muss / soll Vermittler künftig nicht mehr eingebunden werden?

Ist der verstärkte Online-Vertrieb der Hintergedanke?: Hat man alle Daten, benötigt man keine Vermittler mehr. Ist das der Antrieb? Direktabschlüsse ohne Provisionsbelastung durch den Vermittler die Zukunft?

Der Maklervertrieb scheint – siehe Medien-Berichte – solche eigenwilligen Richtlinien nicht zu akzeptieren. Hat er auch nicht notwendig, kann seinen Kunden auch anderweitigen Versicherungsschutz anbieten!

Kommt es somit zur Ungleichbehandlung der Vertriebsschienen (Makler, Agenten)? Immerhin können sich Agenten durch das Abhängigkeitsverhältnis nicht so einfach oder gar nicht (falls Ausschließlichkeit) vom Versicherer lösen und eine Alternative anbieten.

Behindern solche Vorgaben nicht auch die selbständigen Agenturen in ihrer Tätigkeit?
Natürlich.

Die ALLIANZ hat seine Agenturen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zu unterstützen und nicht am Verdienst zu hindern. Siehe §6 und §12 im HVertrG. Eine Annahmesperre für Interessenten – die kein Handy bzw. E-Mail besitzen – sieht für uns nicht nach Unterstützung aus. Eine Reduzierung von Abschlüssen und damit Verdienstausfall ist zu befürchten! Hier sollte vielleicht wieder ein Gerichtsurteil für Klarheit sorgen.

Das IVVA Team

 

PS: Allianz argumentiert offensichtlich, dass man diese Daten benötigt, um im Schadensfall direkt mit dem Kunden Kontakt aufnehmen zu können. Doch auch das ist kritisch zu sehen, wird doch auch in diesem Fall der langjährige Partner des Kunden -nämlich der Agent – also Vertrauensperson übergangen. Immerhin ist es eine seiner wichtigsten Aufgaben, dem Kunden im Schadensfall bestmöglich zu helfen und damit das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.

 

 

 

1 Antwort
  1. Anonym sagte:

    Wer sind die Führungskräfte im Haus der Allianz, die sich solche Annahmebedingungen ausdenken? Der IVVA stellt berechtigt die Frage, was man damit erreichen will. Die Kundendaten für einen Schadensfall parat zu haben kann es nicht sein, muss doch der Kunde den Schaden erst melden und somit sind die Daten vorhanden.
    Leider hat der Gesetzgeber, den selbständigen Versicherungsvertreter nicht ausreichend geschützt. Kann doch der Versicherer- hier speziell den Ausschließlichkeitsagenten- durchaus unter Druck bringen. Spekuliert man doch damit, dass sich kaum ein Vertreter auf einen Rechtsstreit mit seinem Haus einlassen kann.
    Zum Thema Online Vertrieb. Solange die Annahmerichtlinien für zukünftige Kunden kaum zu verstehen sind- das wird sicher so bleiben- wird die Versicherungswirtschaft kaum auf ihre Vertriebsleute verzichten können. Sind vielleicht die selbständigen Vertreter für die Allianz zu teuer geworden? Ist man hier bemüht, diesen Vermittlern noch mehr Verwaltungsgeschäft aufzubrummen?
    Beim Makler wird sich die Allianz wohl ins eigene Knie schießen, dieses Spiel geht nur beim Angestellten-Außendienst und beim Ausschließlichkeitsvermittler. Selbst der Mehrfachagent hat schon Möglichkeiten auszuweichen.
    In dieser Angelegenheit vermisst man auch einen Protest der Berufsvertreter in der Wirtschaftskammer. Solche Aktionen können doch niemanden egal sein!
    MfG
    Ein Newsletterleser

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