Sind die Österreicher zu sorglos? (NL 24b/17)

In Österreich haben nur etwa 5 Prozent eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Mag. Willi Bors, Dialog, Foto zur Verfügung gestellt

Gründe hierfür sind möglicherweise Verdrängung („Wird schon nichts passieren“), aber auch der fälschliche Glaube, dass wir durch den Staat abgesichert seien. Das ist aber seit einer Gesetzesänderung 2014 nur mehr im geringen Maße so.

Was machten Versicherer bisher falsch? Was müsste man tun, um bei unseren Kunden hier Problembewusstsein zu schaffen? Und wie kann man als Versicherungsagent hier ein wichtiges Standbein für sich selbst erarbeiten?

Über diese – und andere – Fragen führten wir ein Interview mit Mag. Willi Bors, dem neuen Chef bei der Dialog Lebensversicherungs-AG. Weiterlesen

Gesetzesänderung der bösen Art (NL 23/17)

In den letzten Tagen gab es große Aufregung um einen Gesetzesantrag im Finanzausschuss, der große (finanzielle) Nachteile für unsere Kunden sowie Haftungsprobleme und drohende Provisions-Rückzahlungen für Vermittler bringen könnte.

Es geht um einen Gesetzesantrag, den die Abgeordneten Steinacker (ÖVP) und Jarolim (SPÖI eingebracht hatten. Beide Justizsprecher ihrer Parteien und uns bestens bekannt (haben doch die Versicherungsagenten nicht die besten Erfahrungen mit den Beiden genannten gemacht).

Dass die Versicherungswirtschaft versuchen wird, das Dilemma mit den kapitalbildenden Lebensversicherungen zu bereinigen, war zu erwarten. Ist doch die Branche hier massivem Tadel ausgesetzt. Große Sorgen bereiten uns aber, wenn im Änderungswunsch plötzlich eine 10 jährige Rückforderung für Provisionen enthalten ist. Kommt sicher nicht von den oben genannten Abgeordneten als Antragsteller.

Selbst wenn § 9 Abs.3 des HVertrG (Handelsvertretergesetz) regelt, dass die Provision zu zahlen wäre, sehen wir in dieser Aktion eine erhebliche Bedrohung des Vermittlers. Und wenn der Versicherer die Angelegenheit anders sehen möchte, so wird der Agent gezwungen sein, vor Gericht sein Recht einzufordern.

Eine Stellungnahme von Anwalt Dr. Johannes Neumayer führt auch noch aus, dass selbst eine Richtlinie (86/653/ EWR v. 18.12.1986) österreichische Gesetzesmacher binden. Und daher diese Gesetzesänderung EU-widrig wäre. Zum Nachlesen hier klicken…

Weitere negative Konsequenzen werden in Interviews angesprochen, die mit den  Anwälten Dr. Norbert Nowak (zum Nachlesen hier klicken…) und Dr. Wolfgang Haslinger (zum Nachlesen hier klicken…) geführt worden sind. Darin erhalten Sie, geschätzte Agentinnen und Agenten ein sehr umfassendes Bild der Situation.

Die drei Rechtsanwälte dokumentieren ganz klar das Haftungsrisiko für die Vermittler, die EU-Widrigkeit, die enormen finanziellen Nachteile für die Kunden und die Gefahr der Rückzahlungen von Provisionen!

Das IVVA Team

Zu teuer? Hat Versicherungsvermittler Zukunft? (NL 23b/17)

Hat das Gewerbe des Versicherungsvermittlers Zukunft?
Welche Vertriebsgruppe ist wirklich (zu) teuer?

Ein Beitrag des Versicherungsjournals mit dem Titel „Da wird noch eine ordentliche Dynamik in den Markt kommen“ wirft einige Fragen auf, die nachdenklich machen. Der Titel leitete sich aus einer Aussage ab, die FMA-Vorstand Helmut Ettl bei einer Veranstaltung machte.

Dort besprochen wurden u.a. der Vormarsch von Fintechs (also der „digitalen Berater“) und die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen in unserer Branche, aber auch über Kostendruck sowie die zunehmende Regulierung.

Bei der Veranstaltung wurde die Branche vom FMA Vorstand aufgefordert, die „jahrzehntelange Komfortzone zu verlassen“. Und Ettl wird weiter zum Thema der Insurtechs zitiert: Den „Pflänzchen, die hier sprießen“, müsse Raum gegeben werden, sich zu entwickeln. Für die Branche biete sich mit ihnen die Möglichkeit, „sich neu zu erfinden“. Und hinsichtlich „Innovation hätte unsere Branche noch Raum nach oben“…

Aber auch die folgenden Zitate klingen für den Berufstand des Vermittlers schon fast wie eine Drohung.

  • „Das Ziel müsse sein, die Dienstleistung am Kunden zu verbessern, einen Zusatznutzen zu erbringen, Präventions-Dienstleistungen anzubieten. „Da sind wir erst am Anfang.“
  • „Das österreichische Vertriebssystem sei – auch im internationalen Vergleich – teuer.“


Hat der menschliche Berater noch Zukunft?

Aber: Wer, wenn nicht der Vertrieb soll den Versicherungskunden auf potentielle Gefahren hinweisen und von der Notwendigkeit von Versicherungen überzeugen? Wer wird diese oben geforderte verbesserte Dienstleistung (Mehrarbeit!) in der Praxis umsetzen? Ziemlich sicher, der „teure“ selbständige Vermittler, dem oftmals administrative Tätigkeiten aufgebürdet werden.

Welche Vertriebsgruppe ist (zu) teuer? Weiterlesen

Risiko-Bewertungs-Fragebogen bereits ausgefüllt? (NL 22/17)

Über den Sommer kam es im Zuge von Gewerbeordnungsnovellen aufgrund europarechtlicher Vorgaben (EU-Geldwäsche-Richtlinie) zu neuen Pflichten für bestimmte Gewerbetreibende. Ziel ist die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Konkret handelt es sich dabei um folgende Branchen:

  • Versicherungsagenten und -makler mit Lebensversicherungen und anderen Anlageprodukten
  • Handelsgewerbetreibende, einschließlich Versteigerer mit Barzahlungen von mindestens 10.000 Euro
  • Immobilienmakler
  • Unternehmensberater mit bestimmten Geschäftstätigkeiten (zum Beispiel Gründung von Gesellschaften, Ausübung der Leitungs- oder Geschäftsführungsfunktion einer Gesellschaft, Bereitstellung eines Sitzes, Ausübung der Funktion eines Treuhänders)


Risikobewertung des eigenen Unternehmens & Identität der Kunden prüfen

Während das Prinzip „Know your customer“, also „Kenne Deinen Kunden“ sicherlich schon bekannt ist – jetzt aber noch verschärft wurde – ist das Anlegen eines Risiko-Bewertungs-Fragebogens über das eigene Unternehmen den Meisten noch gänzlich unbekannt. Doch genau so ein Fragebogen ist den Aufsichtsbehörden vorzulegen und wird (nach Rückfragen von Versicherungsvermittlern) aktiv von den Gewerbebehörden verlangt.

Daher greifen wir dieses Thema auf, informieren Sie über die Geldwäsche-Richtlinie und stellen Ihnen diesen Fragebogen – samt Ausfüllhilfe – vor.
Weiterlesen

Scheint überall Ihre GISA-Nummer auf? (NL 22/17b)

Scheint auf Ihren Unterlagen (Briefpapier, Verträge, Visitenkarten, E-mail-Signaturen, Homepage, Flyer, etc.) bereits überall Ihre GISA-Nummer (anstelle der Gewerberegisternummer) auf?

Übergangsfrist läuft nur noch bis zum 26.3.2018!

Zur Erinnerung: Versicherungsvermittler sind gemäß §137 f Abs. 1 GewO verpflichtet, ihre Gewerberegisternummer auf ihren eigenen Papieren und Drucksorten anzuführen!
Durch die Umstellung auf GISA hat sich die bisherige Gewerberegisternummer geändert.

D.h. bis nächsten März müssen Sie alle Unterlagen, wie Briefpapier (auch online-Briefvorlagen), Verträge, Visitenkarten, E-Mail-Signaturen, Flyer, Homepage (Impressum), etc. geändert werden.

Wir haben bereits vor 1,5 Jahren erstmals über GISA informiert, welche Vorschriften einzuhalten sind und mit welchen Konsequenzen aufgrund der Gewerbeordnung zu rechnen ist, wenn man auf Briefpapier, Verträge, Visitenkarten, etc. nicht die richtigen Informationen angibt.

Daher unser Tipp: Vernachlässigen Sie nicht Ihre (Info-)Pflichten aufgrund der Gewerbeordnung!
Zum Nachlesen hier klicken…

Praxis-Tests zeigen: Viele Geschäftspapiere sind nach wie vor nicht oder falsch befüllt! Daher erinnern wir neuerlich und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre GISA-Nummer herausfinden.

Weiterlesen

IPID fixiert. Das müssen Sie Ihren Kunden übergeben! (NL 21/17)

Die EU-Kommission hat kürzlich das finale IPID genannte Informations-Dokument (IPID steht für Insurance Product Information Document“ im EU-Journal veröffentlicht. Soeben ist das Dokument auch auf Deutsch erschienen, dieses können Sie hier herunterladen:
IPID im Europaeischen Journal veroeffentlicht_DE

Dieses IPID müssen Versicherungsvermittler ab 2018 bei allen Nicht-Lebensversicherungspolizzen vorab den Konsumenten übergeben. Wie es im Detail aussieht, finden Sie unten anbei.

Entstanden ist das IPID durch eine Konsultation der EIOPA, der Europäischen Versicherungsaufsicht, bei der die Rückmeldungen vom Markt eingesammelt wurden, wie so ein Kurz-Informationsblatt für Nicht-Lebensversicherungen, also Sachversicherungen auszusehen hat.

IPID ist also ein standardisiertes „Informationsblatt zu Sach-Versicherungsprodukten“, wie es in der IDD vorgeschrieben wird. Was bei Lebensversicherungen mit dem KID PRIIPS versucht wird (ein standardisiertes Informationsblatt, das die Leistungsdaten des Produktes anführt), soll also bei Nicht-Lebensversicherungen mit dem IPID erreicht werden: Weiterlesen

Teil 2 der Serie zur Datenschutz-Grundverordnung (NL 20b/17)

Vorige Woche gaben wir einen ersten Überblick über die Datenschutz-Grundverordnung. Heute erfahren Sie, welche organisatorischen Vorbereitungsarbeiten sich zwingend aus der DSchGVO ergeben und warum die Finanz- und Versicherungsbranche besonders betroffen ist.

Im übernächsten Beitrag informieren wir, zu folgenden Themen:

  • Wer ist innerhalb der Finanz- und Versicherungsbranche von der DSGVO betroffen und wie?
  • Definition von Daten: Was sind sensible Daten und wie ist damit umzugehen?
  • Erfassungskette von Daten im Bereich der Finanz- und Versicherungswirtschaft
  • Besondere Risiken der DSGVO für die Finanz- und Versicherungsbranche

Die bisherigen Kapitel können Sie auch in unserer neu geschaffenen Rubrik „Datenschutz-Grundverordung leicht gemacht gesammelt nachlesen und zwar hier…

Und hier folgt nun der aktuelle Beitrag von Mag. Stephan Novotny:

Weiterlesen

Warum die FLV nach zwei Jahrzehnten nichts von ihrer Attraktivität verloren hat (NL 20/17)

Wolfgang Menghin, Leiter MFA Vertrieb, Foto: Hannelore Kirchner

Auch wenn sie manchem Berater, der lieber auf exotische Produktstories setzt, zu unspannend ist, die Fondsgebundene ist und bleibt ein erstklassiges Instrument für die langfristige Vorsorge. Wolfgang Menghin, Leiter MFA-Vertrieb bei der NÜRNBERGER, erklärt im Interview, warum diesem Produkt manchmal Unrecht getan wird.

IVVA: Herr Menghin, als Berater ist man immer auf der Suche nach neuen Produkten und Verkaufsansätzen für die Geldanlage. Kann die FLV mit anderen Investmentlösungen inzwischen immer noch mithalten?

Menghin, Nürnberger: Wir haben in den letzten Jahren genügend Beispiele erlebt, die zeigen, dass Geldanlage und Vermögensaufbau nicht Inhalt „hipper“ Verkaufsstories ist, sondern mit einer soliden und nachhaltigen Produktwahl und  -gestaltung einhergehen sollte. So mancher vermeintlich sichere und ertragreiche Veranlagungstipp hat sich für den Kunden im nachhinein leider als nachteilig erwiesen.

IVVA: Welche Negativbeispiele meinen Sie konkret? Weiterlesen

Abgrenzung „Selbständig“ oder „Dienstnehmer“ verliert Drohpotential (NL 19b/17)

Einstufung hat Auswirkung auf Sozialversicherung (-nachzahlung) und Steuer!

Gerade in der Finanz- und Versicherungsbranche führte die finale Beurteilung, ob jemand Angestellter oder doch Unternehmer sei, oftmals zu einer „Umqualifizierung“ durch die Gebietskrankenkasse. Konsequenzen waren dramatische Nachzahlungen (Dienstgeber- und Dienstnehmerbeiträge zur Sozialversicherung mussten für bis zu 5 Jahre nachgezahlt werden.

Knapp vor der Sommerpause beschloss das Parlament das Sozialversicherungs-Zuordnungsgesetz (SV-ZG), das mit 1. 7. 2017 in Kraft getreten ist. Damit sollen diese Unklarheiten beseitigt werden, denn:

Dank diesem Gesetz kann nun die Frage, ob eine Beschäftigung auf selbständiger Basis vorliegt (und damit eine GSVG-Pflichtversicherung) oder eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausgeübt wird (und damit eine ASVG-Pflichtversicherung zutrifft) durch zwei neue Verfahrensarten geklärt werden:

Durch eine Vorabprüfung sowie durch eine freiwillige Überprüfung. Daneben können Versicherungsverhältnisse auch weiterhin im Zuge einer GPLA-Prüfung umqualifiziert werden. GPLA steht für „Gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben“. Dabei prüfen die verschiedenen Institutionen (Krankenkassen, Finanzämter, sowie Städte und Gemeinden) im Zuge eines einzigen Prüfverfahrens beim Dienstgeber alle Abgaben.

Bei allen 3-Prüf-Verfahren kommt es zu einem der folgenden Ergebnisse:

Weiterlesen

Betrugswelle: Nationalbank und Anwalt warnen vor neuer Bedrohung (NL 18/17)

Spoofing die nächste Bedrohung für unsere Kunden und unsere Branche!

Wir haben in den letzten Monaten einige Praxistipps zum Thema Internet-Sicherheit und Datensicherheit verfasst. Grund hierfür ist die EU-Datenschutzgrundverordnung, die bereits gilt und deren Übergangsfrist nächsten Mai abläuft. Extrem hohe Strafen drohen dann, wenn Kundendaten durch betrügerische Aktionen und Lücken in der EDV gestohlen werden.
Hier geht es zu den bisherigen Praxistipps…  (u.a. über die Datenschutz-Grundverordnung, Unterlagen auf GISA vorbereiten, Verzeichnis, Schutz von Kunden-Daten, EDV-/Mail-Gefahren, Info-Pflichten der Agenten, Haftung für fremde Links und Fotos, etc.).

Aus aktuellem Anlass informieren wir Sie über eine neue Betrugswelle, die aktuell in Österreich um sich greift, wie gestern abends die ORF Sendung „Heute konkret“ im Detail berichtete. Die Sendung können Sie sich bis zu 7 Tage nach Ausstrahlung online ansehen. Den Link finden Sie unten anbei.

Wie die hinterhältige Masche geht, haben wir hier kurz zusammengefasst und mit einigen Tipps zur Vermeidung angereichert.

Weiterlesen